KENWOOD L-07D
Massives Kunstwerk mit Werksmängel?!

  • Der L-07D ist und war das Flagschiff der Kenwood-Spieler und ist einer der besten massivsten und aufwendigsten Spieler, bis heute !

    Kurze technische Daten:
    Antrieb: Quarz PLL Direktantrieb
    Motor: Kernloser, schlitzloser bürstenloser Servomotor mit einem Anlaufdrehmoment von 25kg/cm
    Plattenteller: 33cm Durchmesser, Aluminiumlegierung im Druckgussverfahren mit Duraluminium laminiert
    Gewicht mit der nichtmagnetischen Edelstahlauflage: 5,5Kg
    Geschwindigkeiten: 33 1/3 und 45 U/Min (quarzgeregelt)
    Wow und Flutter: weniger als 0,02 (WRMS)
    "Rumpeln" nach DIN bewertet: besser als -94dB
    Geschwindigkeitsänderung mit und ohne Platte: 0%
    Bremse: elektrisch und über Solenoid gesteuerte mechanische Bremse
    ..... und und und....wer will das hier lesen? Wer einen hat, kann´s in der Anleitung lesen, wer keinen hat im Internet!


  • Kommen wir lieber zum interresanten Teil, was nicht in Anleitung oder im Netz zu finden ist:
    Bau/Verkaufzzahlen: <2000 Stk insgesammt (mW)
    Ich denke bis heute haben es weniger als 1000 Stk weltweit geschafft zu überleben was sicher zum einen das Aufkommen nachfolgender Audiomedien, Desinterresse und ich denke auch das sehr viele dieser Geräte von sich selbst überschetzenden Besitzern / Techniker / Werkstätten gekillt wurden.
    Diese Geräte waren auch nicht zur Reparatur für den einfachen Radio und Fernsehtechniker gedacht, dessen skill auf saubere Lötstellen lag, nein, man mußte/muß auch technisches Verständniss zur Feinmechanik haben. Denn bei Probleme die er von Anfang an hatte bzw über die Jahre offensichtich (und verdeckt) zeigten, muß man verstehen was er macht und wie er funktioniert und was was genau bewirkt. Sie sind also mega rar und mit Sicherheit "verjüngt" sich die Anzahl der noch funktionierenden Geräte, was den Gebrauchtpreis nicht niedriger werden läßt ! 


  • Also fangen wir von "Vorne" an,
    Das Netzteil/Steuerteil
    Optisch gesehen wurden 4 Versionen 100V (Japan Market), 120V (USA/Canada Market), 220/240V (EU Market) und die "umschaltbare" Version mit 120V/220-240V (Eigentlich als PX Geräte, wurden aber dann doch frei auf dem EU-Markt verkauft). Offensichtlich und nach 1. ServiceManual unterschieden sich die Typen alleinig im Trafo (Was ein Umbau auf andere Netzspannungen erleichtert) bzw beim PX, in der Netzbuchse und nach Produktionsjahr natürlich auch der Stecker der Steuerleitung.Die Steuerteile mit einfacher Betriebsspannung waren festverkabelt.
     
    Das war allerdings nur "offiziell" denn in den Produktionsjahren änderten sich auch Beschaltung, Layout der Steuerplatte ungeachtet der unzähligen hin- und her- Modifikationen. Modifikationen um das störrische Biest betriebssicher zu machen.
    Der ursprüngliche Gedanke, das Steuerteil mit handelsüblichen Bauteilen (abgesehen vom OKI-IC) auszustatten war zwar gut, (Dies macht es auch nach 40 Jahren noch reparabel!) wurde aber leider durch Layoutfehler, wirklich schlechtem Platinenmaterial und teils schlecht gesetzter Bauteile (Handbestückung?!) ziemlich zunichte gemacht. Zusätzlich noch die Idee, (fast) alles was elektrisch ist, aus dem Chassis in eine extra "Box" zu stecken und den Aufwand mit einem dicken Steuerkabel zu kompensieren, ergab entsprechend weitere Probleme. Aber, solange noch keiner darin "gebastelt" hat, der meinte: "Neue Kondensatoren ist schick!", oder "wir hebeln mal ein IC raus und "braten" nach", sind diese Teile bis auf die Stererleitung gut zu reparieren. Also auch hier, sollte man nicht meinen zu wissen was man tut sondern man sollte wirklich wissen was man tut.

     

    Bild 1-8, 15: So sehen die Steuerteile nach Jahren aus das ist auch OK so, wird ja nun überholt
    Bild 9-11, 14: Da hat der "Basteling" wohl zugeschlagen ?
    Bild 13: "Qualität" vom Werk! Ein Wunder das dieses Gerät lief!
    Bild 17-24: Vor dem ersten "Spatenstich" in die Boards, erst mal die Schalter
    Bild 25-29: Dann werden die Boards repariert, überholt und alle Modifikationen eingebaut, danach OLS und chem. Reinigung
    Bild 30-32: der Neuaufbau
    Bild: 33-34: Auch der Stecker braucht Liebe ;)
    Bild: 35: Fertig (Naja nicht ganz, der Deckel bleibt offen zum Abgleich mit dem überholten Laufwerk)


  • Nun zum eigentlichen Spieler:
    Der Tonarm/Tonarmbasis
    Der Tonarm, besser gesagt, die Tonarmeinheit TA-D7J wurde extrem aufwendig gestaltet aber über die ganzen technischen Daten lasse ich mich nicht aus, kann man bei unmengen Internetseiten nachlesen, sollte es einen interresieren. Meine Seite soll eher die technische Seite und deren Probleme betrachten. Zuerst: Die massiven Teile (ohne das Armrohr betrachtet) sind aus Messing! Und bis auf die verdeckten Teile, matt verchromt. Man hat in diese Einheit alles an damaligem Wissen reingestopft was ging, dabei kam eine unheimlich aufwendige Mechanik raus, die ich bisher bei keinem Spieler so gesehen habe. Das hört sich alles bisher hervorragend an, wenn da nicht die Produktionsschwächen wären unter denen JEDES der Geräte leidet.Diese Armeinheiten wurden teilweise unterschiedlich zusammengebaut, man hat manchmal das Gefühl das das einer je nach Tageslaune diese zusammengebaut hat. Manchmal sind Gleitscheiben verbaut wo keine hingehören, manchmal dann 2 auf eine Seite. Das verwendete Fett wurde mal mehr, mal weniger lieblos und in unterschiedlichen Mengen "eingeschmiert" Abgesehen davon das es die 40 Jahre nicht überstanden hat und verharzt. Die grundsätzliche präziese Einstellung war eh allgemein eine Glücksache!. Zusätzlich noch ein Lift, dessen Bügel nicht sauber ausgeschnitten sich nicht kpl senkt wie vorgesehen was zur Folge hat, das bei fast allen Geräten die wir zur Restauration da hatten, der Anschlaggummi fehlt. Eine Masseklemme die mit einem Kleber getränkt wurde, der nach Jahrzehnten nicht nur verrottet sondern zusätzlich noch das Massekäbelchen auffrisst. Zahnräder, die nach dem fräsen zwar mit Druckluft abgepustet aber weder entgradet noch passend aufpoliert wurden ewig könnte ich so weiter aufzählen.... Auch dieses Teil wurde in der Produktion öfter an einigen Stellen verändert, so zB gibt es Versionen in denen das Höheneinstellzahnrad 2 Nuten besitzt, dann wieder nur eine..... Was noch erwähnenswert ist, die Madenschrauben sind von Hause aus, eingeklebt. Ein Lösen ohne den Kleber sorgfältig zu entfernen beschädigt den Innensechskant der Madenschraube, ein Lösen und damit zerlegen wird dann zum Knaller, mit normalen "Hausmitteln" geht dann nichts mehr, insbesondere auch, das einige der Gewinde nicht sauber geschnitten sind und die Madenschrauben auch so hätten sich nie lösen können. Genug gelabert, Bilder....ich will Bilder sehen....bitteschön:

     

    Bild 1-11: So sehen die meisten TA´s nach 40 Jahren aus, präziese Funktionen sind da nicht mehr gewährleistet.
    Bild 12: Vom Werk aus, wurden die Frästeile weder entgrated noch feinbearbeitet.
    Bild 13: Am Bild unten rechts sieht man die Spähne der Grate, nach dem ersten überarbeiten
    Bild 14: Nach der Endbearbeitung durch uns
    Bild 15-18: Alle Teile werden aufgearbeitet
    Bild 19: Wenn die Kunststoffzwischenscheiben fehlen werden diese nachgerüstet
    Bild 20: Erster zusammenbau und Test der Grundeinheit
    Bild 21: Durch Gewalt und verrottetes Fett beschädigtes Zahnrad der Bremse
    Bild 22: Die Achse ist so verbogen, das sie durch "drücken" an der Maschine nicht mehr zu retten ist
    Bild 23: Also eine neue Achse dafür aus Edelstahl angefertigt
    Bild 24: Alt gegen Neu
    Bild 25: Alte verbogene ausgedreht, gewinde geschnitten und neie Achse eingebaut
    Bild 26/27: Das kommt oft vor, Hebel der Bremse abgerissen
    Bild 28/29: Doppelgewindestange aus Edelstahl angefertigt
    Bild 30: und damit die Hebelstange der Bremse repariert
    Bild 31: Feuchtigkeitsschaden
    Bild 32: Schnecke der Kurbel vor der Bearbeitung
    Bild 33: Die Achse dazu auch nicht besser und verbogen
    Bild 34: Ok, aber nicht so schlim, kann man richten
    Bild 35: Jetzt ist das Teil wieder gerade :)
    Bild 36: Schnecke aufgearbeitet
    Bild 37:
    Die Kurbel auch

    Bild 38: Mit 3 neue Diffscheiben wieder mit dem richtigen Fett zusammenbaubar
    Bild 39/40: Da wackelt jetzt nichts mehr
    Bild 41: Lift zerlegt und aufgearbeitet, fehlt nur noch die Modifikation
    Bild 42: Da hat man schon mal gebraten...warum ?
    Bild 43: Auch hier, Feuchtigkeitsschäden und zermurkste 2-Loch Kontermutter
    Bild 44: Das Lager im Tonarm, braucht immer einiges an "Aufmerksamkeit"
    Bild 45: Beschädigte Lagerkoni aufgearbeitet
    Bild 46: Da fehlt der Anschlaggummi, ist aber fast bei allen so, da der Lift von Hause aus einen Fehler hat
    Bild 47: Alles gerichtet/aufgearbeitet, nun gehts an den Zusammenbau und einstellen....
    Bild 48: ... auf unserem Einstell"Bock"
    Bild 49: Auch der Klemmblock und dessen Spannfeder werden überarbeitet
    Bild 50: Wie neu!
    Bild 51: Der Rest der Basis aufgearbeitet
    Bild 52: Zusammengebaut
    Bild 53: Auch das Armgewicht wird überarbeitet
    Bild 54: Häufiger Massefehler, Kleber "frisst" Kabel und läßt den Rest verrotten
    Bild 55: Überarbeitet, so gibt es wieder richtigen Kontakt
    Bild 56: Den Stecketräger aufgearbeitet und sauber eingelötet
    Bild 57-59: Der Zusammenbau


    Nachtrag:
    Inzwischen haben schon einige Besitzer, welche das Gerät über Jahre besitzen gemerkt, das die horizontale Bewegung des Armes immer schlechter, schwerer geht so das bei empfindlichen Nadeln/Systemen es trotz sauber eingestelltem Auflagegewicht zu Sprüngen auf der Platte kommt, unregelmäßig aber immer öfter. Das ist leider normal aber man kann Abhilfe schaffen. Dazu muß man wissen, das die doch sehr schwere Armeinheit mit 2 großen Kugellagern in einer Messinghülse gelagert wird (Achtung, es gibt 2 unterschiedliche Hülsen bei diesen Armen, je nach Baujahr!), welche mit einer eingeklebten Kontermutter im inneren der Basis eingestellt wurde. Diese Lager sind sog. offene Lager und mit den Jahren hat das Schmiermittel in den Lagern, seine Lebenszeit erreicht und wird zäh und klebrig. ein sauberer, leichter horizontaler Lauf des Armes wird dann immer schlechter. Die Nadel in den Rillen schafft es dann nicht mehr den Arm beim abspielen mitzubewegen. Bei einigen Geräten deren Schaden noch nicht so groß ist, reicht der Ausbau, spülen der Lager und das einbringen eines frischen speziellen Schmiermittels (normales Öl geht auch hier nicht!). bei vielen ist es aber leider so, das die Lager schon gelitten haben und ersetzt werden müssen. Dabei muß man bei den neuen Lagern auf die passende "Lagerluftkennung" achten, passt diese micht, geht das Lager entweder zu schwer oder die Einstellung des Lagerspieles in der Lagerhülse wird zum Glücksspiel. Bei einer Überarbeitung des Armes ersetzen wir diese Lager bei Bedarf durch equivalente von uns nachbearbeitete 100% passende Lager um den ursprünglichen leichten Lauf (wie beim Neukauf) wieder herzustellen. Wenn gewünscht können wir diesen Lauf noch empfindlicher und leichtgängiger machen in dem wir, wie schon in mehreren Geräten erfolgreich eingesetzt, reine Zirkonlager einsetzen, die wir trotz dessen das sie schon leichter laufen, nochmal manuell 6-12h einschleifen (Mit Prüfintervall von 2h) Der Aufwand inclusive der sehr empfindlichen Lagerspieleinstellung ist natürlich hoch aber der Vorteil ist natürlich ein wesentlich leichterer sauberer horizontaler Lauf beim abspielen der Platte. Zusätzlich muß erwähnt werden das diese Lagervariante empfindlicher gegen Schläge und groberen Stöße von außen auf die Tonarmeinheit ist. (aber wer "prügelt" schon seinen L07er ??)



    Die kleinen Stiftchen für das Antscatingseil haben wir vor einiger Zeit in modifizierter Weise nachgebaut. Diese sind nun nicht mehr lose auf den Miniachsen wie die Originalen sondern haben innen eine kleine "Klemmung" die das abfallen erschwert.


    Davon sind noch wenige Set´s da und wenn die abverkauft sind, werde ich wohl keine mehr anfertigen. Da es auch nur noch so wenige sind, pflege ich die nicht mehr im Shop ein. Wer ein Set braucht, bitte anfragen.

    Auch da Antiscatingseil bauen wir in besserer/leichtgängiger Version nach.

    Diese finden Sie in unserem Shop unter ETuS-Landgraf.com

     


  • Der Motor
    Der Antriebsmotor In den Werbeprospekten zum Gerät hochgepriesen, waren die ersten Versionen ein Sorgenkind von KENWOOD. Die Spulen waren in ihren Wickungen zu dick und in der Produktion alles andere als sorgfältig gewickelt. Bei diesen Motoren kam es vor das die oberen Windung teilweise über die Anschlagbolzen für den Statormagnet herrausragten. Im "normalen" Betrieb war das kein Problem, nahm man aber den Teller runter zieht das Statorblech den Magnet mit sammt der Achse nach oben, normal an die Anschläge. Bei diesen Motoren kam es aber vor, das der Ringmagnet vorab an eine oder schlimmer an mehreren Spulenwindungen schnalzte und damit deren Kupferlack beschädigte und es zu Windungsschlüßen kam, was die Motorendstufe des Steuergerätes nicht so lustig fand und mit sofortigem Tod quitierte (Da aber Halbleiter freundliche Gesellen sind, haben die Endstufen auch gerne noch weitere Mitglieder der Halbleitergruppe mit in den Tod gerissen!). in der späteren Version, war desshalb die Spulenplatte, kpl anders konstruiert sie waren dünner und präzieser gewickelt außerdem spendierte man einen weiteren Anschlagbolzen dazu. Für die ersten Jahre gab es dann von dieser Seite keine Auffälligkeiten mehr. Man änderte zwar noch das Design Spiegelbleches und schloß die Massefahne nicht mehr an aber es lief. Was man aber nicht beachtete und heute nach über 40 Jahren zum Gau geworden ist, ist das Fett, welches in der Achse ist / sein sollte! Dieses Fett altert und wird fest. Es besitzt absolut keinerlei Notlauffähigkeit was bei einer verchromten Stahlachse die in einem reinen Messinglager läuft auf dem mehr als 5Kg an Last drauf liegt reiben sich dann die Wände der Lagerhülse auf Die abgeriebenen Späne wandern nach unten an den Lagerspiegel und in den Konus der Lagerspiegelkugel, die daraufhin nicht mehr frei laufen kann und im Konus festbackt. Folge davon ist also nicht nur eine beschädigte Lagerhülsenwand sondern zusätzlich reibt sich die festgebackene Kugel immer weiter in den Delrin-Lagerspiegel ( Nein, er ist nicht wie man im Netz oft lesen kann, aus Teflon, das wäre zu weich für diese "Last"!) Folge davon ist, das die Achse im Motor immer weiter nach unten "wandert" und irgendwann dann der FG-Magnet die auf der unten liegenden Platine mit den FG-Windungen schleift und diese zerstört Folge ist, das der Tellerlauf zuerst unruhig wird und den Q-Lock immer schlechter schafft, bis der Motor irgendwann immer schneller wird und wie irre hochdreht. Spätestens dann, ist auch die FG-Platine zerstört. Wir hatten schon Geräte da, deren FG-Platine "angerieben" war, diese konnnten wir im Zuge der Restauration aber retten. Sind die Leiterzüge mal durchgerieben muß man eine neue FG-Platine anfertigen, das blieb uns bisher erspart ;) Können wir aber zur Not auch nachproduzieren. Bisher konnten wir auch alle Achshülsen retten. Und einen neuen Lagerspiegel mit PEEK-Einsatz, neuer Kugel und Dichtung verbauen wir eh in dem Zuge. Der von uns gebaute Lagerspiegel hält wesentlich länger als der ursprünglich aus Delrin! Ich denke jedem sollte nun klar sein, das Aussagen wie "meiner läuft seit 45 Jahren ohne Probeme, Forenenten sind. Oder derjenige wartet bis nichts mehr geht? Der Motor hat so ein großes Anzugsmoment, das man den Fehler erst merkt, wenn alles zu spät ist, er tötet sich also "lautlos" Wir haben bei den vielen 07ern die wir bisher machten, alle Hülsen retten können. Das ist aber keine Garantie, das wir in Zukunft alle Hülsen retten können. Meiner Erfahrung nach, werden die Lagerschäden bei den Geräten die in letzter Zeit kommen, immer schlimmer! Nun an die "Selbstbastler": Wenn man am Motor arbeitet, muß man absolut peniebel auf Sauberkeit achten, ein kleines Schmutzpartikel was in dieses Lager fällt, kann schon das AUS bedeuten. Auch kann man dieses Lager nicht mit Baumarkt- , Vodooölen oder noch schlimmer Sinterlageröl "füttern, dafür ist die Last zu schwer und die Achse wird immer weiter beschädigt. Es ist kein Öl was dort reinkommt!!! Also lass die Finger davon! Geiz ist nicht immer Geil! Der nächst Punkt der zu erwähnen wäre ist: Lasst die Finger von der unten liegenden Kontermadenschraube, sie ist nicht zum festziehen des Motors sondern war dafür gedacht, die zusätzliche Last der Stahlmatte, des Ringes und des Türstoppers (Plattentellergewicht) zu tragen, ohne das die Achse die Lagerspiegelplatte durchdrückt. Sie wird also auf diese nur "angesetzt".

     

    Bild 1: Spulenplatte der 2. Generation vom Antriebsmotor
    Bild 2: Spulenplatte der 1. Generation vom Antriebsmotor
    Bild 3/4: Schäden die durch def. Tellerspiegel und aufsetzendem Magneten verursacht wurden
    Bild 5: Schon sehr Wuchtig, die beiden Spulen übereinander
    Bild 6: Abgeriebene Späne aus der Tellerlagerbuchse
    Bild 7/8: Die Tellerlagerkugel hat ihre Spuren im Tellerspiegel hinterlassen
    Bild 9: Links der alte Delrinspiegel, rechts der von uns gefertigte Lagerspiegel mit "PEEK-Pille"
    Bild 10: Durch zu fest angezogene Madenschraube verbogener Metallträger des Lagerspiegels
    Bild 11: Auch der alte Tellerlagerspiegel durfte darunter leiden :(
    Bild 12: Der "Verursacher"
    Bild 13: Verharzter und mit heißgelaufenem Fett beschädigter Kugelkonus der Lagerachse
    Bild 14: Der Lagerspiegel war schon so tief durch, daß der Rand der Lagerhülse oben, an der Motorplatte, zerspahnt wurde
    Bild 15: So weit auspolierter Kugelkonus
    Bild 16: Das Gegenstück zu Bild 14
    Bild 17/18: So sehen die Lager nach 40 Jahren ohne Pflege/Aufarbeitung aus
    Bild 19/20: Nach unserer Aufarbeitung
    Bild 21: Man sieht am Lagerspiegelträger deutlich die Spuren der Madenschraube aus Bild 12
    Bild 22: Wir ersetzen Lagerspiegel, getrennter Lagerspiegelhalter, Dichtung und Kugel
    Bild 23: Gerichteter Träger mit Lagerspiegelteile zusammengebaut
    Bild 24: FG-Impulsgeberscheibe. Diese darf unter keinen Umständen beschädigt sein!
    Bild 25: Der Ringmagnet mus absolut sauber und zentrisch vor dem Zusammenbau sein
    Bild 26/27: Motor wird zusammengebaut
    Bild 28: Eine "Variation" der Lagerspiegelhalteplatte


  • Die "Bremse". 
    Der L-07D hat 2 Arten von bremsen, einmal die elektronische Bremse, die mit dem Motor den Teller abbremst und zum zweiten die mechanische Bremse, gesteuert über eine Solenoid gesteuerte Hebelmechanik, die den Teller von innen mit einem Bremsfilz abbremst. Auch diese Einheit braucht, sei sie noch so klein, nach den vielen Betriebsjahren ein wenig Aufmerksamkeit. Zum einen läuft bei vielen der Solenoid nicht mehr leichtgängig, genauso wie der Hebel selbst. Zusätzlich gibt irgendwann in den Jahren der Kleber des Anschlaggummies auf und der Gummi fällt ab. Wir hatten auch schon Geräte da, bei denen sogar der Bremsfilz fehlte.

    Bild 1: Ausgebaute mechanische Bremseinheit
    Bild 2: Komplett zerlegt, Anschlaggummi fehlt
    Bild 3: Neues Anschlaggummi mit pasender Shore-Härte eingeklebt
    Bild 4: Alle Teile überarbeitet
    Bild 5: Zusammengebaut und hernach extern auf Hebelauslauf eingestellt und auf Ansprechverhalten/Geschwindigkeit geprüft.


  • Die Tastatur. 
    Tastatur wäre wohl etwas übertrieben ausgedrückt es sind ja nur 2 Tasten ;) Allerdings auch wenn es nur 2 Tasten sind, ist die Steuerung, die Schaltung erwähnenswert, denn sie ist an sich grundlegende Digitaltechnik der frühen 70er-Jahre! Obwohl es ende der 70er bessere und einfachere Art der Tastenauswertung gab, hat man diese "Art" eingebaut, inclusive der Probleme die damit entstanden sind. Warum ? Keine Ahnung, war wohl noch als "Entwurf" in irgendeiner Schublade in der Entwicklung gelegen und ma dacht wohl es wäre eine gute Idee ?
    Die Probleme die sich dadurch am Gerät zeigen sind vielfältig wie "startet nicht", "startet und bleibt dann wieder stehen", beim drücken der Geschwindigkeitstaste springt die Drehzahl wieder zurück....
    Hauptproblemverursacher ist der zur der Zeit schon unüblich/ obsolet gewordene Doppelkontaktschalter, der unter den Jahren leider seinen Geist aufgiebt. Mit etwas feingefühl kann man diese zwar überholen, was danach sicher noch einige Jahre (Jahrzehnte) läuft aber ein 2. Mal kann man diese leider nicht überholen und einen Ersatz gibt es nicht mehr. Daher haben wir für den Fall der Fälle schon eine komplette neue Schaltung entworfen die im Falle der Fälle auf Einsatz wartet, welche im Bedarfsfalle in Zukunft mit sicherlich immernoch zur Verfügung stehenden Bauteilen repariert werden kann ;)
    Zusätzlich kommen noch eine unglaublich schlecht gelötete Platine, sterbende CMOS-Gatter und verrottete Tastenhälse hinzu

     

    Bild 1: Zerlegte Tastaturmechanik
    Bild 2: Die gebürstete Aluoberfläche sammelt den Dreck der Jahre ein
    Bild 3: Aufgearbeitete Tasten
    Bild 4: Aufpolierte Tastenhälse, damit laufen die Tasten wieder ohne rubbeln
    Bild 5: Die Platine
    Bild 6: Die vergammelten / oxidierten Tasten
    Bild 7: nun aufgearbeitet (vor dem Zusammenbau wird das Silber noch versiegelt)
    Bild 8: Die überholete Platine.
    Bild 9: sauber nachgelötet und chemisch gereinigt
    Bild 10: Eingebaut, nun läuft es dauber und präziese.


  • Das Chassis. 
    Das Chassis, gebaut einem Guss-Verbundstoff mit einer Holzplatte darunter. Oft das allererste was man an diesen mächtigen Geräten sieht bevor das Auge zum massivem Arm schweift. Diese Chassis sind in der (Hand) Lackierung tatsächlich, genau wie bei den L-1000er Geräten unterschiedlich und haben noancenunterschiede in der Helligkeit. Dies ist leider nicht nur der Sonneneinstrahlung geschuldet sondern so wie es aussieht auch, wie es scheint, an der manuellen Mischung der Farben im Werk. Wir hatten schon 3 Geräte da, wobei eines NOS war welche nebeneinander sichtliche Helligkeitsunterschiede hatten wobei das NOS Gerät weder den hellsten noch den dunkelsten Lack hatte. Auch ist es nicht selten das man bei genauer Betrachtung an den Seiten manchmal leichte "Lackiernasen" entdecken kann. Die meisten Geräte aber, die zu uns kommen, haben an den Kanten leichte Lackabplatzer durch Stöße etc. Meiner Meinung nach empfinde ich das nicht so schlim, 45 Jahre alte Geräte können leichte "Kampfspuren" haben, wenn sie ansonsten gepflegt und in einwandfreien Zustand sind. Man muß halt bei der Wartung auch diese Pflege machen :) Zu erwähnen wären noch die Henkel, sie sind aus Aluminium und nur in die untere Holzplatte geschraubt. Sie sind also nicht dafür da, um das Gerät über längere Distanzen zu tragen sondern maximal für kleinste Distanzen. Wenn Transport des Drehers ansteht, sollte man die Henkel "untergreifen"

     

    Bild 1: In der Tastaturvertiefung befindlicher Schmutz welcher auch mit der Zeit den sauberen Tastenlauf behindert
    Bild 2/3: Auch die lackierte Holzplatte hat über die Jahre gelitten und zeit Schmutz der teilweise in den Lack eingedrungen ist
    Bild 4/5: Nach der Aufarbeitung
    Bild 6: Der Lack des Chassis wurde von uns aufgearbeitet und gegen UV versiegelt
    Bild 7: Die "Aluhenkel"


  • Die Füße. 
    Leider ein sichbares Beispiel dafür wenn 2 Menschen unterschiedlicher Branche zusammenarbeiten sollen. Denn der Innere Teil (Der Fuß selbst) scheint von einem Maschinenbauer gebaut/entworden zu sein, der Teil der diesen aufnimmt von einem Designer welcher leider nicht begriffen hat, was eine Nut für einen Nutenstein eigentlich tun soll, so ist in der Aufnahme des Fußese, der eigentlich nur sauber ohne Verzug hoch und runterlaufen soll, die Nut viel zu breit so das der Fuß beim einstellen sich nicht sauber bewegen kann. Zusätzlich haben alle Geräte wie immer das gleiche Problem der Geräte dieser Zeit, das Fett, welches im Feingewinde sitzt ist nach den Jahren am Ende und die Verstellung geht entweder gar nicht mehr oder ist sehr schwergängig. Zusätzlich kommt noch hinzu, da man nicht beachtet hat, das der Einstellring, aus Kunststoff irgendwann seinen Weichmacher ausdampft und er förmlich kleiner im Umfang wird. die Folge davon ist das platzen der Ringe (haben fast alle!!!) Solange an den Ringen nicht versucht wurde zu kleben oder sie sionstwie zu bearbeiten, können wir diese wieder fast unsichtbar aufarbeiten, so das sie wieder RINGE sind und auch ohne platzen auf dem Träger sitzen können.

     

    Bild 1: Zerlegter Gerätefuß, man sieht deutlich die Schäden, die das alte Fett hinterlassen hat
    Bild 2: Ein geplatzter Ring
    Bild 3: Ring und Aufnahme repariert, Gewinde und Hülse aufgearbeitet, neues besseres Fett eingebracht und zusammengebaut
    Bild 4: Einer fertig, noch 3 zu machen
    Bild 5: Hier sieht man die differenz zwischen Nutenstein und Nut


    Zur Beachtung:
    Beim Einstellen der Höhe des Fußes empfiehlt es sich grundsätzlich den Spieler an der Einstellstelle leicht anzuheben und dann bei Geräten der Generation mit "Knauf" im Einsteller, nur am Knauf zu drehen, bei Geräten ohne Knauf, den Ring nicht mit 2 Fingern zu drehen sondern dabei komplett zu umfassen und dann zu drehen.

    In Zukunft werde ich, da mich selbst dieses Nutenfiasko bei unserem 07er stört, dieses durch eine Modifikation beheben. So das alles sauber läuft, wie gedacht. Wenn das so funktioniert wie ich will, lasse ich das natürlich in unseren Überholungen einfließen.


  • Der Teller. 
    Der Teller besteht aus 2 Teilen, Der Teller an sich ist aus Aluminium gegossen und abgedreht der 2. Teil eine weichere gewalzte Aluplatte die innerhalb des Tellers sitzt und mit dem eigentlichen Teller verschraubt ist. Zusammen bringen sie ein beachtilches Gewicht auf die Waage. Dieser ist mit 3 Senkschrauben an der oberen Motorplatte verschraubt. Soweit so gut....naja....Da die beiden Aluteile unterschiedliche Mischungsverhältnise und Macharten aufweisen, ergeben sich auch 2 unterschiedliche Resonanzfrequenzen, welche beide im normalen Hörbereich liegen. Besser macht es das auch nicht, das zusätzlich statt einer üblichen Gummimatte, eine Stahlplatte aufliegt. Messungen haben mir gezeigt, das bei empfindlichen Systemen am Oszi, Schattenbilder und erhöhungen in bestimmten hohen Frequenzbereichen über dem eigentlichen Nutzsignales (der Musik) zu sehen ist. Zwar sehr schwach, aber sie sind da. Zudem ist der Gußteil des Tellers empfindlich gegen Stöße, Kratzer und auch gegen Feuchtigkeit.
    Nicht selten bekomme ich Geräte, deren Teller entsprechende Schäden aufweisen. Wie kommt denn das? Einfach, der Teller wurde irgendwann einmal abgeschraubt und versucht anhand der 2 Löcher im Teller diesen vom Motor zu ziehen. Im Chassis selbst sind im Bereich der Tellerlöcher keine Vertiefungen, das man durchgreifen kann, man muß also mit Kraft die Finger in den Löchern nach innen drücken, das man ihn abziehen kann und bei 2,7Kg fällt dem einen oder anderen der Teller zurück auf das Chassis, so das Teller und bei manchen auch der Kragen am Chassis beschädigt wird. Es gibt keinen Grund außer beim Reparieren/Restaurieren des Spielers, den Teller abzumachen!

     

    Bild 1: Radialer Schaden, wahrscheinlich ist beim einsetzen am Chassisrant ein Teil abgebrochen und hat sich zwischen Teller und Chassisrand geklemmt
    Bild 2: Bis auf einen Kleinen Rest konnten wir das rauspolieren
    Bild 3/4: Teife Einkerbungen am Teller, die sehr wahrscheinlich durch falsches Aufsetzen/ oder dabei aus den Finger gefallen ist, entstanden sind. Diese sind ohne Abdrehen des kompletten Trehers nicht mehr zu verbergen


    Meine Tests:
    Das mich die Schattenbilder und vor allen Dingen die Überhöhungen in den höheren Bereichen bei der Musikabtastung stören habe ich ja schon beschrieben, daher habe ich einige Tests mit unterschiedlichen Auflagen gemacht und gemessen.
    1. Mit Glasauflage: So gut wie kein Unterschied zum Stahlteller Schattenbilder und Überhöhung vorhanden.
    2. Mit Acryltellerauflage: Die Schattenbilder sind vorhanden, Überhöhungen aber nicht so intensiev (Pegel),
    3. Messingplatte (hatte ich mir ausgeliehen) Ähnlich wie der Stahlteller.
    3. Korkmatte: es waren so gut wie keine Schattenbilder da auch keine Überhöhung, die Musik war ohne ungewollten "Zusatz"
    4. Gummimatte von einem meiner anderen Kenwooddreher: Wie Kork, Musiksignal sauber.

    Da mir die Haptik und auch die Optik der Korkmatte nicht gefallen hat liegt nun bei unserem 07er eine Gummimatte von einem 990er drauf und ich bin damit äußerst zufrieden. Aber ich denke das sollte jeder für sich probieren.


  • Fazit. 
    Beim lesen des Berichtes könnte man en Eindruck haben, das ich diese Geräte nicht mag, im Gegenteil ich liebe diese Geräte!!! Von der Grundidee sind sie einfach gigantisch, einfach "on Top". Wenn man ihre kleinen teilweise vom Werk mitgebrachten, teilweise über die Zeit entstandenen Schwächen beseitigt, sind sie, selbst mit kleineren Lackschäden, den Preis (die teilweise aufgerufen werden) absolut wert.



  • ZUR BEACHTUNG!! 
    Dies ist KEINE Reparaturanleitung im Gegenteil es soll verdeutlichen das diese Geräte, wenn man es richtig machen will, einiges an Wissen und Können und Werkzeuge fordern. Es soll ausschließlich verdeutlichen wie sorgfältig wir arbeiten und was wir alles tun. Die gleiche Sorgfalt bringen wir natürlich auch bei anderen Geräten :)


    Wir überholen / reparieren diese Geräte des öfteren, von Besitzern aus ganz Europa (und auch schon mal darüber hinaus;)   


    Wir nehmen aber nur noch in Notfällen L-07er Geräte an, die durch Selbstversuche (Auch von Werkstätten!) hingerichtet wurden. Besser also vor dem Schaden gleich direkt bringen, ohne Umweg über den eigenen Bauhausschraubendreher oder Werkstatt, die diese Geräte nicht bearbeiten kann.
    Auch nehmen wir keine Geräte an, die geschickt werden, da ein Verpacken des empfindlichen Gerätes "Versendersicher" fast nicht möglich ist und hier dann nur Scherben des Chassis ankommen. Wir reparieren/flicken die Chassis nicht, da eine partielle Lackierung hernach im genau exakten Farbton/Farbzusammenmischung wie der Rest des Chassis unmöglich ist. Also nur persönlich hier abgeben. Ich denke das sollte der Dreher wert sein?

    Unser weitest entferntlebender Kunde kam aus Moskau, und der wurde von einem Fahrer gebracht und nach der Überholung abgeholt.



  • Das "OKI"-IC 
    Das bei so vielen Drehern verbaute MSM5819 IC ist an sich robust und verstirbt normalerweise nicht. Einzig alleine was dieses IC nicht erträgt sind Überspannung selbst wenn es nur minimal über der erlaubten Versorgungsspannung liegt, dann stirbt ein Teil des IC´s. Man kann diese tlw beim Chinamann nachkaufen aber ganz ehrlich traue ich dem "Braten" nicht. Manchmal muß man das IC auch nicht austauschen sondern kann ggf manche Stufen "extern" nachbauen um dem Teil wieder auf die Sprünge zu helfen. Es tut ihm nicht weh und freut sich, das es weiter arbeiten darf. Wenn man das IC aber austauscht, sollte man VORAB unbedingt den Versorgungsteil prüfen, ggf überholen.

    Hier ein Beispiel, da konnte ich das Gerät retten ohne das IC zu ersetzen, einfach einen "Partner" zur Seite gestellt und....läuft ;)

     


  • ...to be continued....
    Dieser Bericht ist nicht zuende, es kommen mit der Zeit sicher noch einige Bemerkungen / Bilder von mir dazu, die ich vergessen habe ;)


 


  • Wissenswertes:
    Seit geraumer Zeit werden wir von KENWOOD direkt, und div. anderen Herstellern für die Reparaturen der älteren Geräte empfohlen.